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Saturday, September 16, 2017

Die Zukunft ist museal

In einem Interview mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters in der Berliner Zeitung (7. September 2017) sind Formulierungen zu finden, die bis heute (16. September) keinen Kommentar direkt zu diesem Artikel aus der betreffenden Kulturinstitution angeregt haben:
Die Arbeiten für das Humboldt-Forum haben uns ... das Reformbedürfnis bei der größten deutschen Kulturinstitution Stiftung Preußischer Kulturbesitz offenbart.
Wir wollen ein Kulturprojekt neuen Typs: Wir möchten nicht museal arbeiten, die Sammlungsgegenstände sollen vielmehr der Anlass für eine interdisziplinäre Herangehensweise sein.
Deshalb habe ich den folgenden Kommentar hinzugefügt, damit zukünftige Leser des Interviews einen Eindruck davon bekommen können, womit sich Museumsmenschen (auch) beschäftigen.

Das "Reformbedürfnis bei der größten deutschen Kulturinstitution Stiftung Preußischer Kulturbesitz" hinsichtlich der vernetzten Forschung aus informations- und fachwissenschaftlicher Sicht ist bereits seit längerem formuliert und publiziert (z.B. http://bit.ly/KulturexpertenVernetzt_EVAberlin2011, http://bit.ly/Informationswissenschaft_EVAberlin2012, http://bit.ly/ForschungSPK2015). Bevor aber "die Sammlungsgegenstände ... der Anlass für eine interdisziplinäre Herangehensweise" sein können, müssen aus einer bisher nur in Ansätzen vorhandenen vernetzten Forschung auch die entsprechenden Ergebnisse verfügbar sein. Zur Zeit wird in der Museumsforschung interdisziplinär kooperiert, eine vernetzte Kollaboration aber erfordert andere Strukturen. Die in den letzten 20 Jahren stark angestiegene Zahl befristeter Forschungsprojekte mit temporär Beschäftigten fördert jedoch vor allem temporäre und projektbezogene Kooperation und bindet personelle Ressourcen, die damit für die Entwicklung langfristiger Vernetzung und Kollaboration fehlen.

Museale Arbeit bedeutet übrigens zunächst die kontinuierliche Sammlungs- und Bestandspflege, die als unabdingbare Voraussetzung zukunftsorientierte museale Forschung, Ausstellung und Vermittlung ermöglicht (http://www.museumsbund.de/museumsaufgaben/). Verantwortliche in Museen sowie allen anderen Gedächtnisorganisationen und diejenigen, die Einfluß auf die Rahmenbedingungen für museale Arbeit haben, sollten an lebendigen Museen als Teil der Gegenwartskultur interessiert sein und Kulturerbe nicht nur als Überbleibsel vergangener Zeiten ansehen.