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Friday, May 9, 2025

Trauminseln und Inselträume (4)

Hawaiʻi und Berlin

Verblassende Träume und neue Erinnerungen

Traum und Realität werden meist als Gegensätze verstanden. Ein genauerer Blick enthüllt jedoch, dass in unsere Auffassungen von der Realität auch die eigenen Ideen, Vorannahmen und Träume einfließen. Je weiter Dinge, Vorgänge und Menschen räumlich oder zeitlich von uns entfernt sind, desto schwieriger wird es, Fakten von Vorstellungen zu unterscheiden.

Hula noho
Hula noho

Sunday, April 6, 2025

Trauminseln und Inselträume (3)

Hawaiʻi und Berlin

Inselparadies Pfaueninsel

Johann Gottfried Schadow (1764–1850): „Harry von den Sandwich-Inseln, en face und im Profil nach links“
Johann Gottfried Schadow (1764–1850): „Harry von den Sandwich-Inseln, en face und im Profil nach links“

Am 18. Oktober 1824 berichtete die „Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen“ unter der Überschrift „Wissenschaftliche und Kunst-Nachrichten“ über die Reise des preußischen Seehandlungsschiffes „Mentor“:  

Auch für ein ethnographisches Museum, deren Errichtung wir immer noch entgegensehen, ist so manches Merkwürdige mitgekommen; wir bemerkten nur ein leichtes Tanzkleid der Chilesen von Bärengedärm, Zeug von Baumrinden von den Sandwichs-Inseln, Trinkgefäße aus Kürbissen, Fächer aus Pfauenfedern, Helme aus Binsen, Waffen, Angeln und Hausgeräthe verschiedener Art.

Besonderes Interesse aber weckte der „Freiwillige von den Sandwichs-Inseln“, den die Mentor aus Hawaiʻi mitgebracht hatte:

Henry, so wird er gerufen, oder vielmehr: so nennt er sich, kam, als der Mentor dort anlegte, an den Bord, und bat flehentlich, daß man ihn mitnehmen möchte. Man erkundigte sich nach seinen Familien-Verhältnissen, er hatte weder Vater noch Mutter, noch sonst jemanden, der Ansprüche an ihn machte; so ging er mit nach China, und hat sich nun schon ganz an die Europäische Lebensweise gewöhnt. Henry mag ungefähr 15 bis 18 Jahr alt seyn, […] am Arm und im Gesicht ist er tattowirt. Er ist sehr gelehrig, freundlich, munter, arbeitsam. Deutsche Worte spricht er geläufig nach, wenn sie nicht zu viel Consonanten haben, besonders scheint ihm das r ganz zu fehlen.

Sunday, February 2, 2025

Trauminseln und Inselträume (2)

Hawaiʻi und Berlin

Trauminseln der Südsee und preußische Handelsträume

Die Kunde von den Trauminseln der Südsee hatte den deutschsprachigen Raum schon im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts durch Georg Forster oder Heinrich Zimmermann erreicht. Der Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso kam während der Rurik-Expedition unter dem Kommando Ottos von Kotzebue im November 1816 und im September 1817 auch nach Hawaiʻi. Noch bevor 1821 seine „Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungs-Reise“ in Weimar gedruckt wurden, hatten sich seine Beobachtungen schon in Berlin verbreitet und so veröffentlichte sein Freund E. T. A. Hoffmann 1819 in Berlin mit seiner Briefnovelle „Haimatochare“ das erste europäische Prosastück, das auf der hawaiischen Insel Oʻahu spielt. Hawaiʻi war also nicht nur keine Terra incognita mehr, sondern schon ein literarischer Schauplatz, als sich die „Mentor“ im Dezember 1822 in Bremen auf den Weg machte.

Saturday, October 26, 2024

Trauminseln und Inselträume (1)

Hawaiʻi und Berlin

Reisen zu den Inseln der Träume

Harry von den Sandwich-Inseln, en face und im Profil nach links

Vor 200 Jahren, am 26. Oktober 1824, schrieb der Berliner Bildhauer und Zeichner Johann Gottfried Schadow unter eine seiner Zeichnungen: „Harry Sandwich Inseln. 26. octob. 1824.“ Wer war dieser „Harry“ und wo liegen eigentlich die „Sandwichinseln“? Soviel sei schon verraten: Harry war der erste Hawaiier, der in Preußen ankam und seine Heimatinseln sind heute als Hawaiʻi bekannt – nicht zu verwechseln mit Haiti in der Karibik.

Friday, May 13, 2016

Hula, hawaiische Sprache und Traditionen der Hawaiier

Erstveröffentlichung: No ka hoʻomanaʻo ana ia Berlin (6. August 2014)

Wir haben für unsere Gruppe den Namen „No ka hoʻomanaʻo ana ia Berlin“ gewählt, als wir uns mit einem Programm zu Ehren des 125. Jahrestages des Besuchs von König Kalākaua in Berlin beschäftigten. Diese Worte stehen auf dem Schellenbaum, den Kaiser Wilhelm I. dem hawaiischen Monarchen schenkte.

Thursday, July 23, 2015

Wem gehört das kulturelle Erbe?

Original by Painter: John Trumbull; Photographer: cliff1066 (Flickr) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons;
edited by Thomas Tunsch (CC BY-SA)
Die Antwort scheint einfach zu sein: natürlich allen ... wirklich?

Während einige Museen die Vermittlung des kulturellen Erbes im digitalen Zeitalter dadurch befördern, daß sie die Informationen über den von ihnen verwalteten Teil dieses Erbes frei zugänglich machen (Kulturerbe für alle ...) – vor allem die Abbildungen des Kulturgutes in ihren Ausstellungen und Magazinen – gibt es auch Sammlungen, die diese freie Verbreitung einschränken möchten. Ein aktueller Fall ist der Streit um die Abbildung eines Wagner-Portraits in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen.1